Das Dritte Weimar – Kultur und Politik im Nationalsozialismus
Wer außerhalb Deutschlands „Weimar“ hört, assoziiert nicht selten „Buchenwald“. In der Tat steht das Binom „Weimar-Buchenwald“ für Glanz und Elend der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, dem „Zeitalter der Extreme“.
Doch jenseits aller Betroffenheit lässt sich die Geschichte der deutschen „Klassikerstadt im Nationalsozialismus“ nüchtern und anschaulich rekonstruieren. Der Aufstieg antidemokratischer Kräfte in Weimar begann lange vor 1933. Nach Kriegsniederlage, Revolution, Bürgerkrieg, Inflation und angesichts rasanter gesellschaftlicher Veränderungsprozesse sehnten sich Deutsche aller Schichten nach Ordnung, sozialer Sicherheit und nationaler Größe – Hitler versprach am überzeugendsten, diese Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen.
Zur Legitimierung und Festigung ihrer Macht nutzten die Nationalsozialisten das Renommee des kulturellen Erbes und bauten Weimar zur „Klassikerstadt“ und zugleich zur „Gauhauptstadt“ aus. Die Pflege einzelner Kulturstätten, der Bau von Rüstungsbetrieben und die Errichtung des größten deutschen Konzentrationslagers gehörten dabei zusammen. Die NS-„Konsensdiktatur“ fußte nicht allein auf Terror und Gewalt, sondern konnte sich auf nationale Einstellungen, völkisch-rassistische Überzeugungen und ein übersteigertes Bewusstsein vom „Wert deutscher Kultur“ in großen Gruppen der Bevölkerung verlassen. Stolze Erinnerungen an Goethe, Schiller und die Klassik bewahrten Täter und Opfer, Mitläufer und Zuschauer letztlich vor nichts. Schwer bleibt es bis heute, „Hitler“ und „Goethe“, „Kultur“ und „Barbarei“ zwischen 1933 und 1945 nicht nur als Gegensätze, sondern als „Geschwister“ zu begreifen.