Erinnern – Vergessen – Verdrängen. Weimar als deutscher Gedächtnisspeicher
Ein Blick auf die Büchertische deutscher Buchhandlungen zeigt es: „Gedächtnis“ und „Erinnerung“ sind „in“ – die Flut einschlägiger Bücher dazu kaum mehr zu überschauen. Wie ein Buch lässt sich auch die Kulturgeschichte Weimars seit der „klassischen“ Zeit um 1800 aufblättern, um darin sämtliche Aspekte deutscher Kultur- und Politikgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert zu studieren. Dabei ist nicht allein die Vielgestaltigkeit und Widersprüchlichkeit des historischen Panoramas Weimar faszinierend, sondern es drängt sich regelrecht die Frage auf, was wir heute aus den alten „Weimarer Geschichten“ lernen können.
Besonders die Ereignisse zwischen 1933 und 1945, die erinnerungskulturellen Spuren des „Dritten Reiches“ im Antlitz der Stadt sowie die Gestaltung einzelner Museen, Denkmäler und Gedenkstätten können ein Ausgangspunkt für weiterführende Überlegungen über die Konturen deutscher Geschichtsbilder seit 1945 sein. Auch 40 Jahre DDR haben nicht allein die Realgeschichte von Stadt und Region, sondern auch die Erinnerung der Zeitgenossen maßgeblich geprägt. Die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft, also aktuelle Veränderungen der realen und mentalen Landkarte Europas, werfen die Frage nach Funktion und Gestalt unserer nationalen Erinnerung auf.
Schließlich aber gilt für jeden Einzelnen, das Wissen um die Geschichte seiner Gesellschaft mit den ganz persönlichen Erinnerungen seines privaten Lebens intellektuell und emotional zu verbinden.