Industriekultur an der Saale
Wenn es eine Industriekulturstadt „par excellence“ in Thüringen gab und gibt, dann ist es Jena, jene – in Goethes Worten – „Stapelstadt des Wissens und der Wissenschaft“. Im Zuge der sich Mitte des 19. Jahrhunderts dynamisierenden Industrialisierung erlebte die Jenaer Universität gerade in den Naturwissenschaften einen merklichen Aufschwung. Zugleich kam es zur fruchtbaren Symbiose von wissenschaftlicher Forschung und industrieller Nutzung. Untrennbar ist jene Epoche mit den Namen Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott verbunden. Bald war die Saalestadt das Zentrum der optischen Industrie.
Seit 1880 zog Jenas Ruf als intellektuell anregende und wirtschaftliche erfolgreiche Kommune zahlreiche Wirtschafts- und Bildungsbürger an, und das Weimar des „Silbernen Zeitalters“ war auch nicht weit. In beiden Städten entwickelte sich ein künstlerisches Vortrags- und Ausstellungswesen, das sukzessive moderne ästhetische Ansätze ins deutsche Kulturbewusstsein integrierte.
Nach 1900 verstärkte sich die kulturelle Modernität Jenas weiter. Für einige Jahre korrespondierte dieser Aufbruch mit dem Projekt des „neuen Weimar“ (1903-1906). Kennzeichnend für die Ankunft der Moderne in Jena war der Versuch, das reiche Erbe der Vergangenheit mit neuen kulturellen Ansätzen zu verschmelzen und Tradition wie Avantgarde in eine Beziehung gegenseitiger Befruchtung zu bringen. Dafür steht das Wirken des Verlegers Eugen Diederichs ebenso wie das der "Kunstfreunde Jena und Weimar" oder das Schaffen der Maler Erich Kuithan und Walter Dexel.