Leben in der DDR – zwischen Normalität, Unrechtserfahrung und Zivilcourage
Im „Wendeherbst“ 1989 standen Städte wie Leipzig, Dresden und Berlin im Mittelpunkt der Ereignisse. Wenigen ist dagegen bewusst, dass auch Rudolstadt und Weimar in den 1980er Jahren Zentren der kritischen Auseinandersetzung mit der DDR gewesen sind. Vor allem Jena galt schon seit den 1950er Jahren als einer der wichtigsten Orte zivilgesellschaftlichen Widerstands. Anfang der 1980er Jahre wurde die Saalestadt zu einem Zentrum der oppositionellen Friedensbewegung und der Ausreisegruppen. In bis dahin beispielloser Weise fand dort die kritische Auseinandersetzung mit der DDR im öffentlichen Raum statt.
Doch mit der Region sind auch andere Facetten der jüngeren Geschichte verbunden: So wurde die Weimarer Klassik als Zeugnis nationaler Kultur auch in der DDR instrumentalisiert. Dabei standen drei Themen im Mittelpunkt: die Suche nach einer nationalen Identität; die kulturelle Legitimation des DDR-Staates und der Umgang mit dem ambivalenten Begriff ‚Bürgerlichkeit’. Doch abgesehen davon: der Besuch tausender Schulklassen und hunderter Betriebe in den klassischen Stätten Weimars verankerte bleibend das kulturelle Erbe im Bewusstsein vieler DDR-Bürger.
Im Kontrast dazu steht die Erinnerung an die Wirklichkeit des Stalinismus in den ersten Nachkriegsjahren und die Durchsetzung einer „Diktatur des Proletariats“ auch mit Hilfe der „Staatssicherheit“. Unrechtserfahrungen, Verfolgung und die Brüche eines „wahren Lebens im Falschen“ (Christoph Dieckmann) gehören ebenso zum Leben in der DDR wie die jahrzehntelange Verdrängung der Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 in Buchenwald.
Bis heute lassen sich in der Region Spuren des Lebens in der DDR in vielfältigen Aspekten der Industrie-, Arbeits- und Alltagsgeschichte nachvollziehen und anschaulich an architektonischen Zeugnissen und in Begleitung von Zeitzeugen erkunden.