Tradition und Avantgarde – „Moderne“ und „Bauhaus“ in Weimar und Jena
Ästhetische Innovationen und die Geschichte der Avantgarden werden oftmals allein mit der Kultur der Metropolen assoziiert. Doch lebte und lebt immer auch die so genannte Provinz von der Erfindungskraft, Experimentierfreudigkeit und manchmal auch der Exzentrik ihrer Bewohner.
Wer heute „Bauhaus“ hört, denkt an Dessau – doch ist die frühe Geschichte jener berühmten Kunst- und Designschule Teil der Kulturgeschichte der „Klassikerstadt“ Weimar, in der das Staatliche Bauhaus 1919 gegründet worden ist. Der ästhetische Aufbruch zwischen 1918 und 1925 an der Ilm geschah allerdings nicht voraussetzungslos. Seit den 1870er Jahren bereits war die Weimarer Kunstschule ein Ort künstlerischer Experimente und ästhetischer Neuansätze. Dies wiederum ermöglichte um 1900 das kulturelle Experiment des „neuen Weimar“ um Harry Graf Kessler und Henry van de Velde – mobilisierte zugleich jedoch auch den heftigen Widerstand des traditionalistischen Kunst-, Kultur- und Politikestablishments.
Im Spannungsfeld von Tradition und Avantgarde bewegte sich ebenfalls das kulturelle Leben in Weimars Nachbarstadt Jena. Dort sorgte die Existenz der Universität und der Stiftungsbetriebe Carl Zeiss für ein offenes kulturelles Klima, das viel Neues möglich machte. Zwischen den 1880er und 1920er Jahren galt folglich die „Doppelstadt Weimar-Jena“ als eines der wichtigsten deutschen Kunstzentren – und dies in nationaler wie internationaler Perspektive.