Metropolen in einer philosophischen Provinz
Der Deutsche Idealismus hat das philosophische Denken in der Moderne weltweit geprägt: kaum ein philosophischer Diskurs der Gegenwart, der nicht ohne den affirmativen oder einen kritischen Rückgriff auf Fichte, Schelling und Hegel erfolgt. Deutscher Idealismus, dieser Höhepunkt des Philosophierens in "klassischer Zeit", ist untrennbar mit dem Namen der Saalestadt Jena verbunden, in der auch Kants Philosophie erstmals vom Katheder aus den Studenten näher gebracht wurde.
Rund einhundert Jahre nach der ersten Blüte um 1800 wird die Jenaer Universität zum Ort neukantianischen und lebensphilosophischen Denkens. Dafür stehen die Namen Otto Liebmann, Bruno Bauch und Rudolf Eucken. Weltruhm erlangt jedoch ein ursprünglich nichtphilosophischer Kopf mit seinem Konzept des "Monismus" als "Band zwischen Religion und Wissenschaft": der Zoologe Ernst Haeckel. Und auch das frühe Denken Gottlob Freges, Rudolf Carnaps und Max Schelers ist inspiriert von den philosophischen Traditionen der thüringischen Landesuniversität, deren berühmtester Professor für Philosophie Friedrich Schiller hieß.
Aber nicht nur Jena war einstmals ein Hauptort des Philosophierens. Beim genaueren Blick auf die philosophische Landkarte erweist sich Thüringen als Raum, in dem im Verlauf der Jahrhunderte von Meister Eckhart über Luther, Melanchthon und Nietzsche bis zur Gegenwart immer wieder interessante philosophische Ideen zur Diskussion gestellt wurden. In Thüringen wirkten – in traditionellen Darstellungen leider oft wenig beachtet – auch eine Reihe von Philosophinnen, stellvertretend sei hier auf Hedwig Bender verwiesen.