Religion und Reformation
Thüringen – das ist das Land Martin Luthers und der Reformation. Luther sprach von Eisenach, wo er zahlreiche Verwandte hatte und die Schule besuchte, als seiner ”lieben Stadt”. In Erfurt studierte er an der Universität, dort wurde er 1507 zum Priester geweiht. Auf der Wartburg, die auch durch das karitative Wirken der Heiligen Elisabeth bekannt ist, übersetzte er das neue Testament.
Auch der Pietismus hat in Thüringen seine Spuren hinterlassen. In Neudietendorf bei Erfurt gründete Nikolaus Graf Zinzendorf eine so genannte „Brüdergemeine“ mit weltweiter Ausstrahlung. In Weimar wirkten Johann Gottfried Herder und Johann Friedrich Röhr als Superintendenten. Ist Herder der „Theologe unter den deutschen Klassikern”, so zählt Röhr zu den letzten Vertretern des theologischen Rationalismus. Weimar war aber auch der Wirkungsort von Johannes Daniel Falk, der sich dort ab 1813 um verwaiste Kinder kümmerte.
Den Blick über die christlichen Grenzen wagte aber vor allem Goethe, der nicht zuletzt im „West-östlichen Divan“ Zeugnis von seiner Offenheit gegenüber anderen Religionen ablegte. Das Hafis-Goethe-Denkmal im Park an der Ilm verweist nicht nur auf seine Nähe zu dem berühmtesten persischen Dichter, sondern erzählt von der sich entwickelnden Toleranz gegenüber anderen Religionen, wie wir sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch bei den Jenaer Frühromantikern und an der Jenaer Universität finden.