Weimarer Klassik – Realität und Mythos eines kulturellen Erbes
Was wir heute mit einem – erst nach Goethes Tod geprägten – Ausdruck „Weimarer Klassik“ nennen, war ein inhaltlich höchst komplexes, nicht allein auf Literatur reduziertes kulturell-kommunikatives Phänomen, in dem heterogene Ideen, kontroverse intellektuelle Positionen und höchst unterschiedliche Persönlichkeiten miteinander verwoben waren.
Meist stehen Herder, Wieland, Goethe und Schiller für das klassische Erbe, zu dem jedoch ebenso die Jenaer Namen Hegel, Fichte und Schelling zählen. Und auch die so genannten Romantiker lebten und arbeiteten zeitgleich mit den „Klassikern“, deren Ideen sie beerbten und weiter dachten. Dies alles geschah im Schatten der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege – also in Zeiten radikaler politischer und sozialer Umbrüche in Europa.
Reizvoll und anregend ist es, den Diskussionen, Debatten und Kontroversen um 1800 nachzugehen und deren aktuelle Dimension zu befragen. Die einzelnen Veranstaltungsangebote reichen von einer ersten Heranführung an das Gesamtphänomen bis zur tiefer gehenden Auseinandersetzung mit einzelnen Persönlichkeiten, deren Werken und Biographien sowie der Wirkung der „deutschen Klassik“ auf andere Nationalkulturen Europas. Dabei soll der Blick geweitet werden über die großen, sprichwörtlichen „Weimarer Vier“ (Wieland, Goethe, Herder, Schiller) hinaus auf angebliche (oder tatsächliche) Nebenfiguren sowie auf die Beziehung von Kultur, Religion und Politik in einer europäischen Schwellenzeit.