Brennpunkt europäischer Kultur- und Politikgeschichte
in der „Mitte Deutschlands“

Einst nannte man die Region um Weimar, Jena und Erfurt die „Mitte Deutschlands“, Weimar selbst das „Herz deutscher Kultur“.

Das ist nicht nur ein Mythos, denn in der Tat ist diese Gegend eine Landschaft höchster kultureller Dichte. Bauliche Zeugnisse und große Namen stehen für wichtige Stationen deutscher und europäischer Kulturgeschichte und für die jeweiligen politischen Verhältnisse, in denen Kunst entstand und auf die sie reagierte.

Neben den ästhetischen Innovationen, von denen die „Weimarer Klassik“ und das Bauhaus zweifellos die folgenreichsten waren, formten immer auch religiöse Erneuerungsbewegungen das „Herzland der Reformation“. Daneben traten folgenreiche pädagogische Experimente: „Bildung“ war ein Kernbegriff des ‚klassischen“ Menschenbildes und seiner Idee der Selbstvervollkommnung des Individuums. Nicht von ungefähr haben deshalb der Kindergarten und Reformschulen wie JenaPlan und Waldorf hier ihre Wurzeln.

Die kulturelle Lebendigkeit des ‚Kosmos Weimar-Jena‘ wurde kongenial ergänzt durch die Experimentierfreudigkeit von Wissenschaft und Industrie. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand im Zusammenspiel von Forschung und Produktion mit den Zeiss-Werken in Jena ein weltweit anerkanntes Zentrum der optischen Industrie. Dessen Erfolgsgeschichte prägt bis heute den Technologie- und Forschungsstandort Jena.

So konzentriert und beeindruckend wie nirgends in Deutschland lassen sich also Aspekte der Kunst-, Literatur- und Religionsgeschichte mit solchen der Sozial-, Industrie- und Technikgeschichte in Beziehung setzen. In der Erinnerung fällt zugleich ein Schatten auf die Region, der mit dem Stichwort „Konzentrationslager Buchenwald“ bezeichnet ist. Die Erfahrungen mit den totalitären, menschenverachtenden Seiten der Moderne dürften uns wohl für alle Zeiten vor einer selbstgefälligen Haltung bewahren, die „Weimar“ und „Jena“ allein als strahlende Gipfelpunkte der Kulturgeschichte abfeiert.

Dennoch und gerade deshalb: Weimar und Jena (und die Nachbarstädte Apolda und Erfurt) sind ideale Ausgangspunkte zur Umsetzung einer historisch-kritischen Bildungsarbeit. Museen und Dichterhäuser, Denkmäler und Kulturlandschaften sowie wichtige Archive und Bibliotheken bieten im wahrsten Wortsinne ‚anschauliche‘ Möglichkeiten zum Verständnis der deutschen und europäischen Kultur-, Geistes- und Politikgeschichte. Kurze Wege zwischen den einzelnen ‚Orten der Erinnerung‘ erleichtern das Wahrnehmen und Erlernen geistig-politischer Zusammenhänge und unterstützen die interdisziplinäre Dimension des Bildungsangebots. Zudem sind Weimar, Jena und Erfurt auch lebendige Hochschulstandorte – dies ermöglicht die Einbindung von SpezialistInnen sämtlicher geistes- und naturwissenschaftlicher Disziplinen in unsere Bildungsangebote.